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Martina Zöllner zur Präsidentin der Vertrauensstelle Themis berufen

Die Delegiertenversammlung der Themis bestimmte in ihrer gestrigen Sitzung Martina Zöllner zur Präsidentin der Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt in der Kultur-, Musik- und Medienbranche. Damit hat die Themis nach dem Ausscheiden der langjährigen Vorständin Eva Hubert einen neuen, nunmehr zweiköpfigen Vorstand. Bereits im Juli war Maren Lansink, bis dahin Geschäftsführerin der Themis, zur Geschäftsführenden Vorständin berufen worden.

„Wir danken Eva Hubert für Ihre  hervorragende Arbeit als Vorständin der Themis. Ihr Engagement hat maßgeblich zum Erfolg der Themis beigetragen“, erklären die Mitglieder der Delegiertenversammlung. „Wir freuen uns, mit Martina Zöllner und Maren Lansink zwei sehr erfahrene Expertinnen für das Präsidium und den Vorstand der Themis gewonnen zu haben. Wir sind überzeugt, dass sie die Arbeit der unabhängigen Vertrauensstelle Themis weiter aktiv vorantreiben und ausgestalten werden. Wir freuen uns auf die künftige Zusammenarbeit,“ bekräftigen die Themis-Sektionsvertreter*innen.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer erklärte: „Kultur und Medien müssen geschützte Räume sein – frei von Angst, Missbrauch und Diskriminierung. Insbesondere Frauen in der Kultur- und Medienbranche sollen sicher sein können, dass Machtstrukturen nicht zur Waffe werden. Deshalb ist die Arbeit der Themis nicht nur relevant, sie ist essenziell. Der anhaltende und stetig steigende Beratungsbedarf zeigt: Wir stehen immer noch am Anfang eines notwendigen Kulturwandels. Es freut mich, dass mit Martina Zöllner und Maren Lansink zwei Frauen für das Präsidium und den Vorstand der Themis gewonnen werden konnten, die mit ihrer Expertise und ihrem Engagement den Erfolg der Vertrauensstelle und den Kulturwandel mit Substanz weiter vorantreiben werden. Mein Haus steht fest an der Seite der Themis und ich bin froh, dass wir die Vertrauensstelle auch im kommenden Jahr weiter fördern können.“

Die Delegiertenversammlung der Themis vertritt die die Themis tragenden Brancheneinrichtungen der Kultur-, Musik- und Medienbranche, die in vier Sektionen unterteilt sind. Ihr gehören insgesamt acht Delegierte an, je zwei pro Sektion. Die Sektion Sendeanstalten vertreten Annette Baumbach-Goetze und Tim Steinhauer, die Arbeitnehmerverbände Matthias von Fintel und Bernhard F. Störkmann, die Arbeitgeberverbände Charlotte Sieben und Michelle Müntefering und die Sektion sonstige Branchenverbände Anne Leppin und Heide Schwochow.

Martina Zöllner tritt ihr Amt mit sofortiger Wirkung an. „Wer am Arbeitsplatz sexuelle Belästigung erfährt, sei es verbal oder physisch, gerät oft in schwierige Dilemmata. Und die Kultur- und Kreativbranche hat ihre Besonderheiten, weil, wo kreativ zusammengearbeitet wird, nicht nur die üblichen Abhängigkeiten im Arbeitskontext bestehen, sondern immer auch Gefühle eine Rolle spielen. Ich halte es für wichtig, dass es eine unabhängige Vertrauensstelle gibt, an die Menschen dieser Branche sich wenden können, wenn sie Grenzverletzungen oder Belästigungen erfahren haben und gehe daher sehr gerne in die Verantwortung,“ kommentiert sie ihre Berufung.


Maren Lansink ergänzt: „Die Themis begleitet mich seit ihrer Gründung, und ich bin stolz und glücklich, von Anfang an die Entwicklung der Vertrauensstelle mitgestaltet zu haben. Die Rolle als geschäftsführende Vorständin ist mir ein Herzensanliegen und ein logischer nächster Schritt für mich. Gemeinsam mit Martina Zöllner und unserem engagierten Team möchte ich den Kulturwandel in der Kreativbranche weiter voranbringen, unsere wichtige Arbeit fortsetzen und die Zukunft der Themis Vertrauensstelle aktiv gestalten.“


Martina Zöllner, studierte Germanistin und Anglistin, arbeitete als freie Kulturjournalistin, bevor sie 1998 die Leitung der SWR-Redaktion Kulturdokumentationen übernahm, später der Redaktion Dokumentarfilm. 2011 wurde sie SWR-Kulturchefin, 2013 Leiterin des Bereichs „Film und Kultur. 2017 wechselte sie zum RBB, um den Programmbereich „Dokumentation und Fiktion“ zu übernehmen, ab 2021 verantwortete sie das gesamte RBB-Kulturprogramm. Martina Zöllner initiierte und verantwortete zahlreiche preisgekrönte dokumentarische und fiktionale Produktionen für Fernsehen und Kino und unterstützte die filmische Nachwuchsarbeit. Nach der sogenannten RBB-Krise wurde sie 2023 RBB-Programmdirektorin. Martina Zöllner ist Grimme-Preisträgerin und dreifache Trägerin des Deutschen Fernsehpreises. 2024 entschied sie sich, den RBB zu verlassen und arbeitet seither als freie Autorin, Projektentwicklerin und Dramaturgin. Sie lebt in Berlin.


Maren Lansink studierte Rechtswissenschaften und Verwaltungswissenschaften und arbeitete nach dem Studium bei einem großen Kommunalverband in NRW in unterschiedlichen Positionen, u.a. als stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte. 2011 folgte der Wechsel in die Filmbranche als Assistentin der Produzentin Doris Zander und Justiziarin zur Aspekt Telefilm Produktion GmbH. Seit Gründung der Themis Vertrauensstelle im Oktober 2018 war sie zunächst juristische Beraterin bei der Themis, ab 1. November 2022 dann Geschäftsführerin. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen im Arbeitsrecht und Antidiskriminierungsrecht mit ausgewiesener Expertise im Bereich sexuelle Belästigung und Gewalt.

Handreichung für Stellen vertraulicher Beratung in der Kulturbranche

Themis, die Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt in der Kultur- und Medienbranche, legt erstmalig eine Handreichung für Vertrauenspersonen und Stellen vertraulicher Beratung in der Kultur- und Kreativbranche auf. Die Broschüre soll Vertrauenspersonen stärken, Klarheit über ihre Aufgaben und Herausforderungen befördern und sie in ihrer Tätigkeit unterstützen. Dazu werden in der Broschüre zentrale Begrifflichkeiten erörtert und Fragen wie „Was ist Diskriminierung?“, „Was ist sexuelle Belästigung?“, „Wie stellen sich Grenzüberschreitungen und Machtmissbrauch dar?“ beantwortet. Die Handreichung erklärt aber auch die notwendigen Rahmenbedingungen für die Einrichtung von Stellen vertraulicher Beratung. Weiterhin erhalten Vertrauenspersonen Impulse, Reflexionsfragen und Übungen an die Hand, um ihre Tätigkeit mit Rollenklarheit und Sicherheit ausüben zu können.

Die Broschüre erscheint am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen.

Stellen vertraulicher Beratung sind enorm wichtige Elemente von Unternehmen und Institutionen. Gemäß dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sind Arbeitgebende verpflichtet, ihre Mitarbeitenden zu schützen, indem sie diskriminierungsfreies Arbeiten ermöglichen. Dazu können sie einerseits Beschwerdestellen einrichten, die Beschwerden nach dem AGG offiziell entgegennehmen und für die Sachverhaltsaufklärung zuständig sind. Andererseits sind für Arbeitgebende auch Präventionsmaßnahmen gesetzlich verpflichtend, etwa durch Fortbildungsangebote oder indem sie Vertrauenspersonen als Stellen vertraulicher Beratung benennen.

Mit der Broschüre verfolgt die Themis das Ziel, Ratsuchenden bei sexualisierter Gewalt, Belästigung und Diskriminierung in der Kulturbranche die bestmögliche Unterstützung bereits an ihren Arbeitsplätzen zu zukommen zu lassen, indem interne Stellen gestärkt werden.

Die Handreichung steht ab sofort auf der Website der Vertrauensstelle zum Download bereit. In der gedruckten Version ist sie gegen eine Schutzgebühr von 3€ bestellbar.

www.themis-vertrauensstelle.de

Illustration: Fine Heininger, Denken & Handeln

Themis Vertrauensstelle mit steigendem Beratungsbedarf

Die Daten und Zahlen aus 2023 und für die ersten Monate 2024 zeigen einen deutlich gestiegenen Beratungsbedarf bei der Themis, der unabhängigen und überbetrieblichen Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt in der Kultur-, Medien- und Musikbranche. Dieser Beratungsbedarf besteht dabei sowohl bei Betroffenen und Zeug:innen als auch bei Arbeitgebenden.
 
Im Jahr 2023 konnte die Vertrauensstelle die höchste Zahl an Beratungsanfragen in den inzwischen über fünf Jahren ihres Bestehens verzeichnen. Insgesamt führten die Beraterinnen der Themis 884 Beratungen (324 psychologische und 560 juristische) durch, darunter 132 teils anonyme Erstberatungen, 561 Folgeberatungen, 98 Verweisberatungen und 93 Beratungen zu Präventionsmaßnahmen. Im Schnitt führten die Beraterinnen der Themis 74 Beratungsgespräche pro Monat. Am häufigsten wurden mit 547 Personen Betroffene und Zeug:innen beraten, gefolgt von 282 Arbeitgebenden und 55 Personen, die weder der einen, noch der anderen Gruppe zugeordnet werden.
 
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Beratungen damit verdoppelt – 2022: 434 Beratungen mit 158 Neufällen. 
 
Eva Hubert, Vorständin der Themis: „Die vielen Fälle von sexualisierter Belästigung und Gewalt, die uns zugetragen werden, sind natürlich immens traurig. Auf der anderen Seite deuten die steigenden Beratungszahlen darauf hin, dass die Bekanntheit und das Vertrauen der Branche in unsere Angebote wachsen. Sicher spielt auch eine Rolle, dass die Themis seit 2022 auch die Musikbranche erfasst. Insgesamt kann deshalb von den steigenden Beratungs- und Präventionszahlen 2023 auch nicht automatisch auf eine Zunahme der tatsächlich stattgefunden Vorfälle sexueller Belästigung und Gewalt geschlossen werden. Die Zahlen könnten möglicherweise auch als die ersten nachhaltigen Auswirkungen eines beginnenden Kulturwandels innerhalb der Branche zu verstehen sein.“
 
Maren Lansink, Geschäftsführerin und eine der juristischen Beraterinnen der Themis ergänzt: „Die Anzahl der Beratungen von Unternehmen sowie die Nachfrage nach Präventionsangeboten seitens der Arbeitgebenden lassen eine positive Tendenz erkennen. Führungsverantwortliche suchen verstärkt proaktiv Beratung zu den Themen Belästigung und Gewalt sowie deren Prävention. Gegenüber 2022 konnte die Anzahl der angebotenen Webinare verdreifacht werden. Außerdem begleiteten Juristinnen der Vertrauensstelle im Jahr 2023 so viele formale Beschwerdeprozesse nach dem Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG) wie nie zuvor. Dies deuten wir als größere Bereitschaft Ratsuchender, ihre Rechte auch durchzusetzen. Dabei zeigten sich die Unternehmen in der Regel bereit und motiviert, konstruktiv mit den ihnen zufallenden Aufgaben innerhalb des Beschwerdeprozesses umzugehen.“

Bei den 132 Erstberatungen 2023 ging es in 73 Fällen um körperliche sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz, dabei wurde etwas weniger als einmal im Monat zu einer schweren sexualisierten Gewalt wie Nötigung oder Vergewaltigung beraten. 50 der Erstberatungen bezogen sich auf sexuelle Belästigungen und Gewalt die verbal, non-verbal oder digital erfolgten.
 
Wie bereits in den vorherigen Beratungsjahren meldeten sich auch 2023 in aller Regel Frauen als Betroffene sexualisierter Belästigung und Gewalt – 115 von 132 Erstberatungen. 9 Betroffene waren Männer, 6 divers (2 unbekannt). Als Beschuldigte wurden dagegen 127 Männer genannt und nur 3 Frauen (2 unbekannt).
 
Die kontinuierliche Nachfrage bleibt auch 2024 auf hohem Niveau. Von Januar 2024 bis einschließlich Mai 2024 kam es bereits zu 384 Beratungen, davon über 50 Erstberatungen, wobei bereits zu 10 Fällen schwerer sexualisierter Gewalt beraten wurde.
 
www.themis-vertrauensstelle.de
 

Themis berät nun auch Betroffene aus der Musikbranche

Themis, die unabhängige und überbetriebliche Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt in der Film-, Fernseh- und Theaterbranche, erweitert ihr Branchenspektrum ab Januar 2022 auf Teile der Musikbranche. Weiterlesen

Themis mit neuem Vorstand und Verstärkung im Beraterinnen-Team

Seit dem 1. Juli gehört Horst Brendel auf eigenen Wunsch nicht mehr dem Vorstand der Themis an. Ihm folgt Bernhard Speck, der gemeinsam mit Eva Hubert auf der Delegiertenversammlung am 1. Juni 2021 für die kommenden zwei Jahre in den Vorstand gewählt wurde. Bernhard Speck ist seit vielen Jahren erfolgreich in der Film- und Fernsehbranche als Herstellungsleiter und Finanzberater tätig. Er ist im Vorstand des Bundesverbands Produktion (BvP) und hat als Vertreter von Ver.di einen Sitz im Verwaltungsrat der FFA.

 

Ab 15. August wird das Beraterinnen-Team der Themis zudem um eine Volljuristin verstärkt. Die Hamburger Rechtsanwältin hatte sich mit ihrer eigener Kanzlei auf Opferschutzrechte spezialisiert und verfügt über langjährige Erfahrung in der Beratung gewaltbetroffener Menschen. Sie unterstützt Fachberatungsstellen und Verbände mit ihrer Expertise im Bereich des Opferentschädigungsrechts mit Fortbildungen, Stellungnahmen und in Projekten.

 

Eva Hubert, Vorständin der Themis: „Zunächst gilt es herzlich Horst Brendel zu danken. Er hat sich nach zweijähriger überaus engagierter Arbeit, die aus meinem Erleben immer konstruktiv, lösungsorientiert und vor allem höchst angenehm war, von diesem Amt verabschiedet. Aber es tröstet, mit meinem neuen Vostandskollegen Bernhard Speck und einer höchst erfahrenen Rechtsanwältin aus Hamburg gleich zwei neue Mitstreiter*innen begrüßen zu dürfen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.“

Themis: Prävention und Information mit Leitfaden und Webinaren

Themis, die Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt in der Film-, Fernseh- und Theaterbranche legt erstmalig einen Leitfaden auf, der  verantwortlichen Leitungsebenen und internen Ansprechpersonen in Unternehmen oder Institutionen der Kultur- und Medienbranche Empfehlungen zur Vorgehensweise, Gesprächsführung und Aufklärung in Fällen sexueller Belästigung und Gewalt an die Hand gibt. Der Leitfaden beleuchtet zudem in übersichtlicher Form die Hintergründe sexueller Belästigung und reflektiert problematische Mythen.

 

Führungskräfte und Personalverantwortliche aus dem kulturellen Sektor – von Produzent*in bis Intendant*in – werden mit dem Leitfaden in ihrer Handlungsfähigkeit im Belästigungsfall gestärkt und können bei Beschwerden souverän reagieren.

 

Der Leitfaden steht ab sofort auf der Website der Vertrauensstelle zum Download bereit – https://themis-vertrauensstelle.de/.

 

Außerdem wurde der Leitfaden an die Teilnehmer der ebenfalls erstmalig von Themis durchgeführten Präventions-Webinare zum Themenbereich ‚sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz Kulturbranche’ ausgegeben.

 

Die zielgruppenspezifisch konzipierten Webinare – je zwei für Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen sowie eins für Personen am Karrierebeginn/in der Ausbildung/im Studium – sollen einen Einstieg ins Thema geben und beleuchten sowohl rechtliche als auch psychologische Aspekte im Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.

 

Der erste Durchlauf im November/Dezember war schnell ausgebucht und auch für den zweiten Durchlauf im Februar 2021 gibt es bereits eine Warteliste. Themis plant angesichts der großen Nachfrage, die Seminarreihe im nächsten Jahr regelmäßig anzubieten sowie nach der Evaluation der Webinare auch weitere zielgruppenspezifische Publikationen.

 

Themis Vorstand Eva Hubert: „Die Themis gibt es jetzt seit etwas über 2 Jahren und der Beratungsbedarf wächst mit der zunehmenden Bekanntheit der Themis und ihrer Angebote nach wie vor. Entsprechend augenfällig ist auch der Bedarf nach guten innerbetrieblichen Strukturen und befähigten Ansprechpartnern für Betroffene sowie nach Prävention. Gute Leitfäden und Webinare sind ausgesprochen geeignete Instrumente um beide Aspekte zu fördern, weshalb wir sie zusätzlich zur Beratung, unserer eigentlichen und ursprünglichen Aufgabe, nun anbieten. Ich kann mich nur bei den beiden Beraterinnen bedanken, die sich mit großem Engagement der ausgezeichneten Umsetzung der neuen Angebote gewidmet haben“.

Themis unterstützt Studie des Bundeskanzleramts

Im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und in fachlicher Zusammenarbeit mit der Themis Vertrauensstelle führt das Referat ‚wirksam regieren‘ im Bundeskanzleramt ein Projekt durch, um Betroffene von sexueller Belästigung und Gewalt in der Wahrnehmung ihrer Rechte zu unterstützen und die Inanspruchnahme von Beschwerdestellen nach §13 AGG zu erleichtern. Weiterlesen

Themis mit erster Evaluation ihrer Arbeit

Am 1. Oktober 2018 startete Themis, die Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt in der Film-, Fernseh- und Theaterbranche. Nun, 1 1/2 Jahre später legt die Beratungsstelle Ergebnisse einer ersten Evaluation vor.

 

So wurden der Themis Vertrauensstelle in der Zeit vom 1. Oktober 2018 bis zum 31. März 2020 insgesamt 255 Fälle von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz mitgeteilt. Die Beraterinnen, eine Psychologin und eine Juristin jeweils in Teilzeit, führten im Evaluationszeitraum über 500 Beratungsgespräche.

 

Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „Das Ausmaß sexueller Belästigung und Gewalt im Kultur- und Medienbereich ist erschreckend. Mein Dank gilt allen Themis-Mitarbeiterinnen, die den Betroffenen zur Seite stehen. Ich war von Anfang an davon überzeugt, dass wir eine unabhängige Vertrauensstelle für diese Branchen brauchen. Aus diesem Grund ist mein Haus für die Anschubfinanzierung der Themis in Vorleistung gegangen und hat die Entwicklung dann intensiv begleitet. Dass wir damit ganz offensichtlich den richtigen Weg eingeschlagen haben, belegen die nun vorgelegten Daten zweifelsfrei. Meine Schlussfolgerung ist ganz klar: Wir brauchen einen grundlegenden Kulturwandel in allen Kreativbranchen! Deshalb ist es wichtig, dass sich noch mehr Verbände der Themis anschließen.“

 

Eva Hubert, Vorstand Themis Vertrauensstelle: „Die hohe Zahl an Anrufen zeigt, dass Themis in den von ihr betreuten Branchen ein hohes Maß an Vertrauen besitzt. Uns ist es gelungen, ein niedrigschwelliges Beratungsangebot aufzusetzen, mit dem wir sachkundige und branchenspezifische Unterstützung anbieten und Betroffenen helfen, eigenverantwortlich und selbstbestimmt Entscheidungen für den für sie richtigen Umgang mit dem Vorfall zu treffen. Dennoch ist in der Branche noch viel Arbeit zu tun, um einen echten Kulturwandel anzuschieben.“

 

Horst Brendel, Vorstand Themis Vertrauensstelle, ergänzt: „Im ersten Jahr der Themis Vertrauensstelle haben es nur sechs Betroffene gewagt eine Beschwerde an den Arbeitgeber zu richten, bis März 2020 waren es neun Beschwerden. Wir haben es in der Branche also immer noch mit einer Kultur des Schweigens zu tun. Wirkliche Änderungen erreichen wir aber nur, wenn Frauen und Männer auf die Vorfälle bei ihren Arbeitgeber*innen aufmerksam machen und eine Verhaltensänderung einfordern. Wir verstehen uns aber auch als Partner der Unternehmen und Institutionen der Kulturbranche und bieten Expertise zu Themen wie die Umsetzung des AGG, geeignete Präventionsangebote und Best Practice-Umgang mit spezifischen Situationen an.“

 

Die Evaluation bestätigte noch einmal deutlich, dass von sexueller Belästigung und Gewalt überwiegend Frauen betroffen sind. Die Anzahl der bei der Themis Vertrauensstelle gemeldeten Übergriffe an Frauen überwog mit über 85% deutlich. Umgekehrt gingen Belästigungen oder Missbräuche in so gut wie allen Fällen von Männern und nur in Ausnahmen von Frauen sowie in fast 80% der geschilderten Belästigungssituationen von Vorgesetzten oder höhergestellten Personen aus.

 

Die gemeldeten Fälle waren in ihrer Mehrheit aktuell und lagen zum Zeitpunkt ihrer Meldung nicht länger als 2 Jahre zurück. Nur in Einzelfällen wurden Übergriffe gemeldet, die vor über 5 Jahre stattfanden.
 

Der Vertrauensstelle hatte mit einer großen Bandbreite von sexuellen Belästigungen und Gewalt zu tun. Die Mehrzahl der Fälle waren verbale und non-verbale sexuelle Belästigungen, wonach laut Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG) beispielsweise dauerhafte sexualisierte Anmachen, Beleidigungen mit sexuellem Inhalt, taxierende Blicke, zweideutige Gesten oder Posen, sexistische Bilder am Arbeitsplatz oder auch Androhungen beruflicher Nachteile bei sexueller Verweigerung gehören. In etwa zwei Fünftel der Fälle ging es um körperliche sexuelle Belästigungen, wie unerwünschte Berührungen, sexuelle Nötigung und körperliche Gewalt bis hin zu Vergewaltigungen.
 

Unabhängig vom objektiven Schweregrad der Belästigung ist das individuelle Erleben sehr unterschiedlich. Das Credo der Themis Vertrauensstelle wird es deshalb auch weiterhin sein, mit großer Sorgfalt und Ernst allen Fällen gleichermaßen Beachtung zu schenken.

 

Über Themis Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt e.V.:
Themis Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt wurde von siebzehn Brancheneinrichtungen der Film-, Fernseh- und Theaterbranche gegründet. Dazu gehören ARD, ZDF, Bundesverband Casting, Bundesverband Regie, Bundesverband Schauspiel, Bundesvereinigung Maskenbild, Deutsche Akademie für Fernsehen, Deutsche Filmakademie, Deutscher Bühnenverein, Interessenverband Synchronschauspieler, Pro Quote Film, Verband der Agenturen, Verband Deutscher Nachwuchsagenturen, Produzentenverband, Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen, Verband Privater Medien, Ver.di.

Namenspatin ist die griechische Göttin Themis; sie tritt für Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt ein.
 
Finanziert wird die Vertrauensstelle durch Beiträge öffentlich-rechtlicher und privater Fernsehsender, der Allianz Deutscher Produzenten, der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten und dem Deutschen Bühnenverein. Die Vertrauensstelle Themis erhält öffentliche Förderung von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters.

Vertrauensstelle Themis veröffentlicht erste Studie

Welche Rolle spielen Grenzen im zwischenmenschlichen und professionellen Umgang in der Film-, Fernseh- und Bühnenbranche? Welche Erfahrungen machen Kulturschaffende mit Grenzverletzungen und Belästigung, wie reagieren sie darauf? Welche Hürden und Befürchtungen hindern sie daran, Unterstützung zu suchen und sich zu wehren? Weiterlesen