6. September 2013

M100 Sanssouci Colloquium

News

05.09.2013 Glanzvoller Abschluss des M100 Sanssouci Colloquiums/ M100 Media Award für den „Standing Man“ vom Taksim Platz

Am Abend ging mit der Verleihung des M100 Media Award an Erdem Gündüz glanzvoll das 9. M100 Sanssouci Colloquium im Raffaelsaal des Orangerieschlosses in Sanssouci zu Ende.

Die Hauptrede des Abends „Zukunftsmusik“ des preisgekrönten österreichischen Romanciers und Essayisten Dr. Robert Menasse wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Menasse verurteilte den Tunnelblick der Ökonomen und fordert eine europäische kulturpolitische Offensive als notwendigen Schritt zur Überwindung der gegenwärtigen Krise. „Wer das als „idealistisch“ abtut“, so Menasse, „sieht Ideale offenbar als wertlos an und muss sich die Frage gefallen lassen, warum dann der Pragmatismus in jüngster Zeit so viele reale Werte zerstört hat.“

Die Laudatio auf den diesjährigen Preisträger hielt die kürzlich ernannte Intendantin des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, Shermin Langhoff. Darin betonte sie vor allem die demokratiefestigende Kraft der Medien. „Eine echte Demokratie braucht eine unabhängige Presse“, zitierte sie Stephane Hessels Schrift „Empört Euch“. Aber eben kritische Medien, die sich als Machwächter verstehen, und nicht als Machtinstanzen. Aber auch kritische Einzelpersonen, die aktiv werden und sich einmischen, seien entscheidend. „Ich bin sicher, Erdem Gündüz nimmt den Preis heute Abend im Namen all jener entgegen, die sich gewehrt haben gegen Unrecht, Unterdrückung und staatliche Willkür“, schloss sie ihre Laudatio.

Der Preisträger des diesjährigen M100 Media Award, Erdem Gündüz, der durch seine Aktion „stehender Mann“ (türk. Duran Adam) weltweit bekannt wurde, sagte in seiner Dankesrede: „Ich bin sehr stolz, diesen Preis an einem Ort wie Potsdam entgegenzunehmen – einer Stadt, die bekannt ist für Toleranz, Weltoffenheit und für die Verteidigung der Freiheit. Eine Stadt, die lange auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs lag und nun in der Mitte Deutschlands. Genau zwischen Ost und West, Orient und Okzident. Manchmal fühle ich mich auch wie ein Punkt zwischen Orient und Okzident.“ Und auch er ging auf die Kraft des Einzelnen ein: „Im Gezi Park agierten die Menschen als Individuen. Sie haben autonom gehandelt. Dies hatte mehr Kraft und damit war schwer umzugehen. Auf diese Weise haben diese Leute einen ganz eigenen Wert geschaffen.“

Unter dem Titel „Are the Media destroying Europe?“ lud das M100 Sanssouci Colloquium am Nachmittag zu einer kontroversen Debatte mit sechs Persönlichkeiten aus Politik und Medien aus sechs europäischen Ländern ein. Auf dem Panel debattierten Anna Diamantopoulou (griechische Politikerin und Präsidentin von „DIKTIO – Network for Reform in Greece and Europe“), Simon Jenkins (Vorsitzender des National Trust und ehemaliger Herausgeber der Londoner „Times“), Tomasz Lis (Chefredakteur von „Newsweek Polska“), Annalisa Piras (Filmemacherin, ehemalige London-Korrespondentin von „L’Espresso“ und Mitgründerin von Euronews), Ines Pohl (Chefredakteurin „taz“) und Xavier Vidal-Folch (stellvertretender Direktor von „El PaØs“). Moderiert wurde die Debatte von Tim Sebastian, dem Erfinder und langjährigen Moderator der legendären BBC-Interviewreihe „HARDtalk“. Zurzeit moderiert er die „New Arab Debates“ bei Deutsche Welle TV.

Die Debatte wurde mit Recherchen und Fakten untermauert, die von den Teilnehmern des diesjährigen Nachwuchsjournalisten-Workshops M100 Young European Journalists erarbeitet wurden. In einem sechstägigen, direkt vor dem Colloquium stattfindenden Workshop bereiteten sie sich intensiv auf das Thema vor, recherchieren Fakten, produzierten Videos, Texte und einen Blog. Unter der Anleitung des mehrfach ausgezeichneten Filmemachers Christian Stahl sowie in Kooperation mit der Axel Springer Akademie wurde mit den Teilnehmern eine cross-mediale Europadebatte über Chancen, Schwierigkeiten und neue Wege für die europäische Berichterstattung und den europäischen Integrationsprozess entfacht.

Die 20 Nachwuchsjournalisten wurden aus über 100 Bewerbern ausgewählt und kommen unter anderem aus Aserbaidschan, Bulgarien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland Großbritannien, Italien, Polen, Rumänien, Türkei und der Ukraine.

Über Erdem Gündüz, Träger des M100 Media Award 2013:

Erdem Gündüz wurde 1979 in Ankara geboren und absolvierte 2007 sein Studium an der Fakultät für Kunst und Design im Bereich Musik und darstellende Kunst an der Technischen Universität Y?ld?z. Er studierte Schauspielkunst und ist unter anderem Gründer des Tanztheaters der Universität der Ägäis. Zurzeit beendet er sein Master-Studium im Bereich Darstellende Künste an der Mimar Sinan Universität der schönen Künste.

Gündüz wurde vom M100-Beirat für sein mutiges Engagement für freie Meinungsäußerung und Menschenrechte ausgezeichnet. Mit seinem ausdauernden friedlichen Protest hinterließ er Spuren und inspirierte Nachahmer auf der ganzen Welt. Die Auszeichnung steht für Verdienste um den Schutz der freien Meinungsäußerung und die Vertiefung der Demokratie sowie für besondere Leistungen um Verständigung und Kommunikation.

Bisherige Preisträger sind: Lord Norman Foster, Architekt (2005) / Dr. Bernard Kouchner, Gründer der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ und französischer Außenminister (2006) / Bob Geldof KBE, Musiker, Afrika-Aktivist und Gründer von Live AID (2007) / Ingrid Betancourt, franko-kolumbianische Politikerin (2008) / Hans-Dietrich Genscher, ehemaliger Deutscher Außenminister (2009) / Kurt Westergaard, dänischer Karikaturist (2010) / Michael Anti, chinesischer Journalist und Blogger und Lord Weidenfeld (Ehrenpreis, beide 2011) / EZB-Präsident Mario Draghi (2012).

M100 ist eine Initiative der Landeshauptstadt Potsdam und des Vereins Potsdam Media International e.V. und findet im Rahmen der Medienwoche@IFA statt.

Gefördert wird die diesjährige Veranstaltung vom Medienboard Berlin-Brandenburg, dem Auswärtigen Amt, der Bundeszentrale für politische Bildung und der ZEIT-Stiftung.

Kooperationspartner sind AFP, Axel Springer Akademie, Deutsche Welle, European Council on Foreign Relations, European Youth Press, Human Rights Watch, Intajour, Institut für Medien- und Kommunika – tionspolitik, Land Brandenburg, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Reporter ohne Grenzen sowie Zukunftsort Europa. Medienpartner ist Die Welt.

Weitere Informationen: www.m100potsdam.org

 

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